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Postkarte aus Versailles Von Werner I. Juretzko 27.05.2000 Der Sonnenkönig Ludwig XIV hatte andere Zukunftsvisionen als er den Glanz, Pomp und Glitzer eines Versailles errichtete, bestimmt aber nicht diejenigen, welche seinen übernächsten Nachfolger Ludwig XVI erwarteten. Ein ausgehungertes, in Fronarbeit gepferchtes Volk im Jahre 1789 rechnete mit ihm ab. Er, und etwa etwa 30 Tausend seinesgleichen, eingeschlossen seine Königsgemahlin Marie Antoinette ( für die es unbegreiflich war, wie ein aus Brotmangel hungerndes Volk nicht einfach Kuchen essen konnte ), stiegen die Stufen einer dekadenten Monarchie herunter und die Treppen zur Guillotine hinauf. Mit dem Sturm auf die Bastille und dem Ruf aus Millionen Kehlen : “Liberte - Egalite - Fraternite “ ( Freiheit- Gleichheit- Brüderlichkeit ) wurde die 1. Französische Republik geboren und die Nationalversammlung unternahm ihre ersten Schritte hier in Versailles. 1807 zog der Kaiser Napoleon Bonaparte an der Spitze der LE GRANDE ARMEE von hier aus ostwärts, vernichtete in der Schlacht bei Jena das vom Karl dem Grossen errichtete tausendjährige 1.Deutsche Reich Römischer Nation, steckte Moskau in Brand, entkam gerade noch der Völkerschlacht bei Leipzig und schlug bei Waterloo seines letztes Gefecht. Verbannt auf die Ozeaninsel St.Helena starb er 1821. Einige Jahre später im Jahre 1870, tritt Versailles wieder ins Blickfeld der Geschichte. In seinem Spiegelsaal verkündet Otto von Bismarck das 2. Deutsche Reich Römischer Nation, das auch hier wiederum mit der Kapitulatin am 18.November 1918 sein Ende fand. Wohl kein anderer Name als Versailles, wo einst Geschichte ”gemacht” wurde, es sei denn man vergleicht es mit Sanssouci bei Potsdam, das wiederum eine architektonische Kopie des obengenannten Schlosses sein sollte, beeinflusste die Geschichte der Welt. Von hier heraus verstrahlten “Friedensmacher” soviel politisch-diplomatische geistige Entgleisungen über die Landkarte von Europa, Asien, Afrika und anderer Teile der Welt, wie noch nie zuvor. Der Versailler Vertrag sagt alles aus ! Dieser brachte nicht nur einen Weltkrieg zu Ende, sondern schuf gleich wieder einen neuen, entzündete hunderte kleinere und einer “ Zerstreitung “ der Welt vom Balkan, Sierra Leone, über die Golan Höhen, bis zum heutigen Tage fortdauernd und das alles nur einige dutzend Jahre später. ”Der Keim eines neuen Krieges”so sprach Vladimir Ilitsch Lenin, ” wird in dem ungerechten Friedensvertrag des eben zu Ende gegangenen Krieges gelegt.” Damit hatte er recht! Als der französische Generalfeldmarschall Foch beim ersten Blick auf die von den Diplomaten in Versailles eben enthüllte politische neue politische Landkarte Europas schaute, zeigte er mit dem Finger auf den Freistaat Danzig und sprach: ”Hier beginnt der nächste Krieg!” Damit hatte er auch recht ! In dem selben Eisenbahnwaggon bei Versailes in dem Frankreich die Deutschen zur Unterschrift ihrer Kapitulation im ersten Weltkrieg aufforderte, zwingt Hitler die Franzosen nach Zerschlagung ihrer Armee 1940, ihre Kapitulation zu unterschreiben. Die wohl grösste politisch-diplomatische Karambolage, die von Versailles der Welt presentiert wurde, war gleichbedeutend die einer politischen Abtreibung der ins Leben erweckten, und erschaffenen zweier neuer Staaten in Europa : Die TSCHECHOSLOWAKEI und das JUGOSLAWIEN ! Hier kamen Polen, Tschechen, Sudetendeutsche, Slowaken und Ungarn in einer Staatseinheit zusammen und in den folgenden Jahren brachten sich über 2 Millionen Menschen gegenseitig um. Die Zahl der umgebrachten Kroaten, Slowenen, Donauschwaben, Albaner, Mazedonier, Herzogowiener, Serben, Bosnier in Jugoslawien, dem grossen Reich der Südslawen, das Meisterstück des Versailler Friedensvertrages, steigt immer noch. In den letzten Berichten der dort zur Zeit stationierten UN- Truppen läuft die gegenseitige Abschlachtung bis zum heutigen Tage auf Hochtouren und ist noch nicht beendet. Es wird Abend in Versailles. Die Sonne senkt sich im Westen hinter den Hecken der riesenhaften Gärten und wird bald alles in ihre Hülle der dunklen Nacht aufnehmen. Dieses monumentale Werk des Sonnenkönigs, -Entscheidungen, die einst von hier aus die Welt veränderten, und Tragödien vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang über unseren Globus brachten, -steht da vor mir wie ein farbloser, stummer Koloss. Bald wird alles in der Tiefe der Nacht versinken, entschwinden! Doch am anderen Ende der Nacht, aus dem Geiste heraus der hier entstammenden, erschaffenen Tragödien der Kriege sowie der Morde an der Menschlichkeit, ist doch letzten Endes ein Licht der Hoffnung nach über Tausend Jahren der Fehde ! Es sind zwei Söhne dieser Hemisphäre, die nach 1000 Jahren die Geschichte neu geschrieben haben, direkte Nachkommen Karl des Grossen oder Charlemagne, gleichgültig wie man diesen nennt : die visionären Staatsmänner Konrad Adenauer sowie Charles de Gaulle. Aus den Erkenntnissen von Versailles durchbrachen sie das trennende von Scheuklappen in eine Richtung gelenkte “ Maginot-Siegfried-Linien Denken “ und schmiedeten eine Union der Gemeinsamkeit und die Basis eines Friedens, errichtet auf dem Fundament der Vernunft. Morgen, wenn die Sonne wieder alles erweckt und Ströme von Besuchern durch die Schlossanlagen wandeln, sich des Friedens hier und bis über den Rhein hinaus erfreuen, sollte man im Stillen Adenauer und De Gaulle den Respekt entbieten, diesen grossen europäischen Stattsmännern des Friedens ihnen, den wahrhaftigen Sonnenkönigen von Versailles.
Grabstätte von Marschall Foch im Invalidendom in Paris
Fotos von Michael R. Iwanicki Bearbeitet am 12.06.2000
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